Leitlinie für Leitlinien
Methodische Empfehlungen für Leitlinien in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde




Methodische Empfehlungen für Leitlinien in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
(”Leitlinien für Leitlinien”)
verabschiedet vom Vorstand der Bundeszahnärztekammer am 19.05.1999

Leitlinien sind systematisch entwickelte Darstellungen und Empfehlungen, die Entscheidungen von Ärzten und Patienten über eine im Einzelfall angemessene gesundheitliche Versorgung (Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge) unterstützen sollen.

Leitlinien sollen Entscheidungshilfen sein, die dem Praktiker Handlungskorridore im Sinne einer ”Good medical practise” aufzeigen. Leitlinien können nur Empfehlungen sein. Die Entscheidung darüber, ob einer bestimmten Empfehlung gefolgt werden soll, muss der Zahnarzt unter Berücksichtigung der beim individuellen Patienten vorliegenden Gegebenheiten und unter Berücksichtigung der verfügbaren Ressourcen selbst treffen. Damit unterscheiden sich Leitlinien von Richtlinien. Richtlinien sind im Gegensatz zu Leitlinien verbindlich, ihre Nichtbeachtung kann Sanktionen nach sich ziehen.

Leitlinien geben den Stand des Wissens zum Zeitpunkt ihres Erscheinens wider. Sie sollen von Experten im Konsens entwickelt werden, wissenschaftlich begründet und praxisorientiert sein, dem internationalen Niveau entsprechen und regelmäßig auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden. Bei ihrer Entwicklung muß auf die wissenschaftliche Nachweisbarkeit (Evidenz) besonderer Wert gelegt werden. Mit einem höheren Grad wissenschaftlicher Evidenz steigt die Akzeptanz und damit der Wert der Leitlinie. Wo keine Erkenntnisse von kontrollierten klinischen Studien vorliegen, sollen sie durch Konsensuskonferenzen abgesichert sein.

Sorgfältig vorbereitete und in der Praxis akzeptierte und dort umgesetzte Leitlinien können ein wertvolles Instrument für die Qualitätssicherung der Zahnmedizin darstellen. Leitlinien dienen der methodischen Sicherung von Therapieverfahren, die für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Patienten (subjektive Patientenperspektive) wirksam und bedeutsam sind und auch das Risiko einer zahnärztlichen Behandlung offenbaren und gegebenenfalls vermindern.

Zahnmedizinische Leitlinien sollen nach folgender methodischer Struktur aufgebaut werden:

Methodische Struktur einer zahnmedizinischen Leitlinie

1. Definition des oralen Krankheitsbildes

2. Gesundheitsziele und epidemiologische Hinweise zur Verbreitung in der Bevölkerung bzw. zu Risikogruppen

3. Diagnostik und Dokumentation
a) notwendig
b) Im Einzelfall erforderlich
c) überflüssig / obsolet

4. Interventionen: Prävention und Therapie
4.1. Obligatorische Maßnahmen
4.2. Fakultative Maßnahmen
4.3. Ergebnisse
4.3.1. Kurative Effekte
4.3.2. Einfluss auf mögliche Begleit- und/oder Folgeerkrankungen
4.3.3. Präventive Aspekte

Die nachfolgenden Punkte 5 bis 8 sind für die Punkte 2 bis 4 durchgängig anzugeben.

5. Wissenschaftliche Beweislage und Auswahlkriterien

6. Nutzen-Kosten-Relationen

7. Hinweise zur Gestaltung der kommunikativen Zahnarzt-Patienten-Beziehung

8. Belege für die Wirksamkeit der Leitlinie

9. Angabe von Autoren, Kooperationspartnern, Konsensverfahren, Sponsoren

10. Implementierungsplan (der Leitlinie)

11. Gültigkeitsdauer der Leitlinie

12. Spezielle Hinweise